Widersprüche können tanzen lernen: "Seductive Disaster" -
Verführerische Katastrophe - nennt die in Las Vegas geborene und
aufgewachsene New Yorker Malerin Natalie Wood ihre erste Berliner
Einzelausstellung und bringt damit auf den Punkt, was sowohl in ihrer
aktuellen Malerei auch in ihren jüngsten Skulpturen auf gleichsam
irritierende wie faszinierende Weise passiert.
Schließlich vermitteln die Bilder der am School of the Art Institute of Chicago und dem Herbert H. Lehman College, University of New York, ausgebildeten und von Vorbildern wie Willem de
Kooning, Joan Mitchell und Roberto Matta inspirierten Künstlerin jene
Ambivalenz, von der schon ein verstörender Roman wie J.G. Ballards
„Crash" zu berichten wusste: In echten Unglücken steckt zwar selten
Glück. Doch bisweilen sehenswerte bis bizarre ästhetische Formationen
bringen all die Risiken und Nebenwirkungen eines übermäßig
technisierten und beschleunigten Zeitalters schon hervor – und sich
von ihnen als Sinnbilder unserer Hybris angesprochen zu fühlen ist nur
logisch.
So schichtet die Künstlerin in einem langwierigen Prozess minutiös
Ebene auf Ebene in ihren meist großformatigen Bildern, löst eindeutige
Perspektiven wieder auf und schafft intensive farbliche Spannungen,
bis endlich nur noch jener Bruchteil einer Sekunde sichtbar wird, in
der Welten kollidieren und kollabieren und sich neue Gleichgewichte
zwischen Chaos und Ordnung etablieren.
Ihre Skulpturen sind indes einen Schritt weiter: Diese im Raum
schwebenden Kreaturen, die an fliegende Fabelwesen oder submarine
Lebensformen erinnern und freie Formen mit klarer Geometrie
kombinieren bestehen bereits in erheblichen Teilen aus den
PVC-lastigen langelebigen Hinterlassenschaften unserer Zivilisation.
Die hat die Künstlerin an den Straßenrändern ihrer aktuellen
Teilzeitheimat Berlin aufgefunden – die, zwischen Schönheit und
Schrecken oszillierend, als ein weiteres „seductive Disaster" noch
immer ihresgleichen sucht und genau deswegen der richtige Ort ist, um
Arbeiten wie "Robotic Leftovers of Chaotic Love Wars" erstmals zu
zeigen.
